Neue Presse CoburgNeue Presse, Coburg, 13.5.2014: Spektakulärer Tanz auf der Violinsaite beim Coburger Verein: „The Twiolins“ faszinieren und revolutionieren die Crossover – Musikszene.

Die Konzertsaison des VEREIN e.V. Coburg endete mit einem sensationellen Knalleffekt. Schon während der Saison hatte der Kulturverein zukunftsweisende Musikdarbietungen der gegenwärtigen Musiklandschaft geboten, doch nach der brillanten Show der drei jungen Damen von „SomeHandsomeHands“ auf einem Flügel mit klassischen Werken krönten am Montag nun „The Twiolins“ das Konzept der „Progressive Classical Music“ mit einem faszinierenden Tanz auf den Violinsaiten ohne Netz und doppelten Boden. Und vor allem nicht mit moderner Crossover-Art, sondern mit einer „Neuen deutschen Welle der Klassik“, mit ausschließlich zeitgenössischen Werken internationaler Gegenwartskomponisten.

Die Werke wurden allein für den Anspruch geschrieben, U- und E-Musik wieder zu einer populären effektiven Musikart zu vereinen, die es bis hin zur Zeit des Jazz gab, die aber erst wieder mit den Stilmitteln der einzelnen Genres der Popmusik neu aufgemischt, neu erfunden werden muss. (…) Wie spannend diese jugendfrische Neufindung und Neuausrichtung, diese Rückgewinnung der klassischen Oberhoheit über die Hörwürmer ist, demonstrierten Marie-Luise Dingler und Christoph Dingler aus Mannheim – von dort kamen schon mehrere stilbildende Schulen – mit blindem gegenseitigem Verständnis in virtuosen Hochseilakten des Violinspiels. Bei dem Tempo der wie Nadeln einer Nähmaschine ineinander stechenden Spiccato, Staccato, den Pizzicato mit der linken Hand bei gleichzeitigen Arpeggios oder Glissandi können die einzelnen Noten vergessen werden, alle Konzentration gilt der unglaublich guten Bogenführung der beiden Akrobaten.

Waghalsige Duelle

Die schnellen Läufe der Duette wechseln ebenso wie die Melodieführung oder die ostinate Begleitung oft Taktweise, so dass die verschiedenen Rhythmen dem Ohr Gefahren signalisieren, die einem den Atem verschlagen. So geschehen in „A fly’s life and decline“, nachdem das Konzert mit einem programmatischen „Sunfire“ hitzetreibend begann, mit den „Schienen-Kapriolen“ einer Dampflokomotive zusätzliche Fahrt aufnahm, erst über die „Autobahn“, später sogar als „Gemini“ ins All raste.

Wie Songs haben die Werke programmatische Titel, die ihre expressive und lautmalende Intention ankündigen. Neben den extensiv virtuosen Stücken, in den sich auch Shakespeare-Rap, Rock, Jazz und Elemente der Teufelsgeige verbinden, sind große Gefühle in chansonartigen Tänzen für das solistische Geschwisterpaar angesagt, das seine unglaubliche Technik als „Jongleurs“ in waghalsigen Duellen immer wieder vor Augen führt. Und dieses wahnsinnige Brillantfeuerwerk endete daher in der Tat im „Orient Express“ mit einem Knalleffekt, dem effektvollen Schlussschnalzer vieler Violinkonzerte.
Und das zweifach, denn der Riesenbeifall des faszinierten Publikums entlockte den virtuosen Zaubergeigen im Doppelpack noch einige weitere Schleifen in den Himmel voller Geigen.
Von Dr. Peter Müller

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