Marie-Luise und Christoph Dingler begeistern als The Twiolins in der Grünstadter Friedenskirche
Die Rheinpfalz, 19.2.2012 Mit ihrem atemberaubenden Geigenspiel haben die Bockenheimer Marie-Luise und Christoph Dingler als The Twiolins am Samstag das Publikum musikalisch durch die verschiedensten Länder und Kulturen geführt. Die Geschwister traten bei den Grünstadter Sternstunden in der Friedenskirche auf und spielten die preisgekrönten Stücke ihres eigens geschaffenen Kompositionswettbewerbs „Crossover Composition Award“, der bereits zwei Mal stattfand.
Besonders eindrucksvoll war das Stück „Windspiel“ von Tina Ternes, das beim Wettbewerb vor vier Jahren den zweiten Platz erreichten. Diese sehr emotionale Komposition erweckte Bilder von einer großen Weite und Einsamkeit und ließ die Zuhörer sprachlos zurück. Auch das rasante Stück „Orient Express“ von Tonio Geugelin, das einem aufregende Reisen und Abenteuer verspricht, packte die Zuhörer und löste bestimmt bei dem einen oder anderen Fernweh aus. Für die dramatischen Effekte hat Christoph Dingler sogar mit voller Absicht im Lied die Geige verstimmt. Als eigentlich letztes Lied des Abends spielten die Beiden ein Stück des Gewinners aus dem Jahre 2009, Benedikt Brydern, mit dem interessanten und irgendwie verwirrenden Titel „Autobahn“. „Er hat bei dem Stück wahrscheinlich an die Schnelligkeit der deutschen Autobahn und das Panorama rund um die amerikanischen Highways gedacht“, vermutete Christoph Dingler. Danach war aber noch nicht Schluss, denn die Ge- schwister gaben noch zwei Zugaben.
Die Virtuosen erzählten zu fast jedem Stück eine kleine Geschichte und stellten die Komponisten vor. Für die Beiden war das Konzert in der fast voll besetzten Grünstadter Friedenskirche quasi ein „Heimspiel“. Sie sind in Bockenheim aufgewachsen, gingen in Grünstadt auf das Leininger-Gymnasium und nahmen schon als Kinder in der Grünstadter Musikschule Geigenunterricht. Inzwischen hat es die Geschwister nach Mannheim gezogen, wo sie hauptberuflich als Konzertviolinisten arbeiten, aber auch Geigenunterricht geben und ein Kinderorchester organisieren. (…)
Die Idee, einen Wettbewerb für zwei Violinen auszuschreiben, war also wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig. „Es gibt zwar sehr schöne, aber einfach viel zu wenige Stücke für zwei Geigen. Wir wollten, dass sich das in diesem Jahrhundert ändert“, sagte Marie-Luise Dingler. Den Wettbewerb wollen sie in einem Dreijahresrhythmus weiterführen. Als kommende Projekte nannte ihr Bruder die Aufnahme ihrer zweiten CD. Nachdem sie vergangenes Jahr in Indien und Bangladesch auftraten, führe es die Twiolins dieses Jahr „nur“ nach Mallorca.
„Wir spielen schon zusammen, seit wir eine Geige richtig halten können“, erzählte Marie-Luise Dingler – und das merkt man auch. Die Geschwister sind wahnsinnig gut aufeinander eingestellt und in vielen Stücken konnte man kaum auseinanderhalten, wer eigentlich welche Stimme spielte. „Wir streiten uns natürlich schon manchmal, aber bei den Proben ist das ganz einfach: Ich habe immer recht“, sagte sie und schmunzelte. Ein konkretes Lieblingsstück hätten die
beiden aber nicht, sondern eher „jeden Tag ein anderes“.
Auch Susanne Friedl-Haarde, Vorsitzende des Grünstadter Kulturvereins, konnte sich nur schwer für ihr Lieblingsstück des Abends entscheiden. „Wenn ich mir aber eins aussuchen müsste, würde ich ,Peesh Moosh’ wählen.“ (…) Die Zuhörer werden sich gefreut haben, dass die Bewerbung der Twiolins angenommen wurde und sie sich von hochklassigem Geigenspiel und emotionalen Stücken verzaubern lassen durften. Von Corinna Schüller. Foto: Helmut Dell

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