00002 13Schifferstadter Tagblatt, 1.10.2013. Das Konzert des Violinduos,,Twiolins” am Samstagabend im Rahmen der dritten Kultur – Tage 2013 im CIub Ebene Eins in Schifferstad begeisterte das Publikum und zeigte, wie modern klassische Musik sein kann. Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler harmonierten dabei gekonnt. Immerhin spielen beide seit ihrem siebten Lebensjahr Violine und studierten das Instrument in Mannheim, wo sie mittlerweile selbst unterrichten. Sowohl solistisch als auch im Duo sind die Geschwister bereits weltweit aufgetreten und bringen dabei “frischen Wind in die Kammermusik”, wie die Ankündigung des Club Ebene Eins lockte. Tatsächlich waren die Stücke modem, oft verspielt und mitunter auch ungewohnt, was aber gerade ihren Reiz ausmachte.
(…) Dann stiegen die Musiker auf die Bühne und eröffneten mit “Sunfire” von Franz Cibulka, einem flotten und teilweise dramatischern Stück. Theodor Nicolaus “Fairy Tale’ dagegen ließ spielerisch mysteriöse, aber auch bedrohliche Töne erklingen. Träumerisch und fast zart war Tina Ternes “Windspiel”.
Die Besonderheit der Stücke machten aber nicht nur die versierten Violinisten aus. Die Stücke stammen allesamt von noch lebenden Komponisten, die am ,,Crossover Composition Award” des Violinduos teilgenommen haben, einem Kompositionswettbewerb, den die Geschwister 2009 ins Leben gerufen haben. Aus etwa 100 Einsendungen wählen Christoph und Marie-Luise Dingler die Finalisten aus. Der Gewinner wird dann von einem unabhängigen Publikum per Abstimmung gewählt. Für ihren Wettbewerb wurden sie 2012 mit dem Helene – Hecht -Preis ausgezeichnet. Durch die aktuellen und unterschiedlichen Stücke hat sich das Duo ein einmaliges Repertoire zugelegt, das auch am Samstag sein Ziel, “zu begeistern”, erfüllte.
Bei “Orient Express” von Tonio Geugelin, einem Mannheimer Komponisten, mussten die Musiker dann endgültig ihr Können unter Beweis steilen. Rasante Passagen und schnelle Stimmwechsel sollten die Raffinessen des Violinspiels zeigen. Ruhiger war dagegen Johannes Söllners “Doch Laub und Wolken unter Nacht”, das geradezu gemütlich wirkte, dabei aber auch kraftvoll. Aleksey Igudesmans “Fever of Passion” erzählt eine ganze Geschichte von Fieberschüben und Leidenschaft, aber auch Ruhephasen. Das beinahe schon plötzliche Ende läutete die Pause ein. Mit “Maha Nada – Indian Violins” von Sebastian Sylla ging es weiter. Indische Einflüsse gab es dabei nicht nur vom Komponisten. Auch die Musiker waren bereits in Indien, um sich in den Musikstilen dort unterweisen zu lassen. Aleksey Igudesman war mit “Peesh Moosh” mit einem zweiten Stück vertreten. Das Publikum wurde aufgefordert, mit zu klatschen und Christoph Dingler stampfte dazu im Sambarhythmus, ohne sich im Violinspiel stören zu lassen. Bei “Gemini” von Benedikt Brydern kamen “Sphärenklänge” zutage, die mitunter bedrohlich wirkten. Spielerisch und wie in einem sprachlichen Wechsel schienen die Violinen bei Ewelina Nowickas, “Jongleurs”. Nach der schnellen “Autobahn” von Benedikt Brydern kündigten die Twiolins die erklatschte Zugabe damit an, dass sie auch “Noten lesen” können. In ,,Invasion der Ameisenbären” von Robert Cohen wird die vergebliche Mühe eines Ameisenbärs, an Futter zu kommen, erzählt. Das vergnügte und begeisterte Publikum kam dabei wieder voll auf seine Kosten.
von Eva-Maria Obermann

Close
Go top