Wormser Zeitung, 6.10.2015: POP UP II: Mannheimer Violin-Duo The Twiolins spielt progressive klassische Musik / Darbietungen imponieren Zuhörern

WORMS – Blaue Luftballons auf dem Boden, umgedrehte Getränkekisten mit bunten Kissen darauf – was auf den ersten Blick an einen Kindergeburtstag erinnern mochte, stellte sich schon bald als ein ganz hervorragendes klassisches Konzert heraus. Verantwortlich dafür waren die Veranstalter vom „Pop Up Worms“, die einen leerstehenden Laden in der Stephansgasse liebevoll und sehr einladend hergerichtet hatten, und vor allem das Violin-Duo „The Twiolins“, bestehend aus den Geschwistern Marie-Luise und Christoph Dingler, die jedoch, dem Namen zum Trotz, keine Zwillinge waren.

Gut 20 Zuhörer genossen die heimelige Atmosphäre, mit der die kammermusikalische Tradition in der Moderne angekommen war. Die „Twiolins“ können sich rühmen, ein völlig neues Genre erschaffen zu haben, nämlich die „progressive klassische Musik“, mit der sie ihr Publikum verzauberten: Wunderschöne Melodien gemixt mit schnellen und mitreißenden Rhythmen und minimalistische Ansätze verknüpft mit den Prinzipien der Avantgarde verfolgten nur ein Ziel: die klassische Musik lebendig zu halten und in die Zukunft zu führen.

Neues Genre erschaffen
Für ein neues Genre brauchte es natürlich auch völlig neue Kompositionen, weswegen die Mannheimer Geschwister alle drei Jahre den „Crossover Composition“-Wettbewerb veranstalten, für den Komponisten aus aller Welt Violinduette extra für die „Twiolins“ schreiben. Die Werke der Finalisten werden dann in einem Konzert gespielt, bei dem das Publikum den Sieger bestimmt, zusätzlich dazu erscheinen alle Final-Kompositionen auf den Alben des Duos.
Das Wormser Publikum genoss die musikalische Brillanz der Violinisten, die sich blind verstanden und auf Notenblätter verzichten konnten. Kompositionen wie „Sunfire“ und „Doch Laub und Wolken unter Nacht“ setzten auf eine hohe Emotionalität und kontrastreiche Effekte, die die Stücke zu einer spannenden Angelegenheit machten. Für Lacher sorgte „Das Leben und Sterben einer Fliege“, das als Programmmusik hervorragend einen Stummfilm hätte untermalen können, und an dessen Ende Christoph Dingler dem „Insekt“ mit einer Fliegenklatsche zu Leibe rückte. Dass für das Duo neben der Musik auch die Performance eine wichtige Rolle spielt, zeigten sie zudem bei „Sonnet ^5“, einer Komposition von Sophie Pope, die die These von Marie-Luise Dingler („Engländer sind ja eher verrückt“) bestätigte: Der Mix aus mittelalterlichen Klängen, gerappten Versen von Shakespeare und einer guten Prise Heavy Metal war wahrlich einzigartig und imponierte den Zuhörern sehr.(…)
Von Sophia Rishyna, Foto Pic Fabrik

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