The Twiolins begeisterten 200 Grundschulkinder fürs Geigen

Rhein Neckar Zeitung, 8.10.2016, Hirschberg: Sollte die seltene Spezies der „Violin-Duos“ jemals aussterben – an Marie-Luise und Christoph Dingler hat es sicher nicht gelegen. Und auch nicht an den 200 hellauf begeisterten kleinen Fans in der Aula der Martin-Stöhr- Grundschule in Hirschberg-Leutershausen. Die feierten gestern Vormittag etwas ganz Besonderes: dass sich ihre Aula dank des Vereins „Musik in Hirschberg“ und der Hirschberger Bürgerstiftung in einen Konzertsaal verwandelte. Hefte und Stifte blieben im Klassenzimmer, dafür klebten alle Augen an den „Twiolins“.

„Wir sind keine Zwillinge und wohnen auch nicht mehr zusammen“, verriet Marie-Luise Dingler gleich vorneweg. Dafür spielen sie und ihr Bruder Christoph von Kindheit an zusammen Geige – und das mit überwältigendem Erfolg. Wie kaum ein anderes Musik-Ensemble haben es sich die beiden zur Mission gemacht, den Staub vergangener Zeiten von den Notenblättern zu wischen und frischen Wind in die Geigenmusik zu bringen. Die „Twiolins“ verkörpern eine junge, moderne Generation an Violinduos, sind in Konzertsälen und sozialen Netzwerken ebenso zu Hause wie in einer Grundschul-Aula.

Vom Geigenunterricht für Kinder angefangen bis zu ihrem 2009 ins Leben gerufenen „Crossover Composition Award“ kümmern sich die beiden Geschwister mit unermüdlichem Einsatz um die Weiterentwicklung von Violinmusik, insbesondere der raren Literatur für zwei Violinen. Einige der Siegerstücke aus den letzten Wettbewerben, an denen sich über 500 Komponisten beteiligten, hatten die „Twiolins“ jetzt für die Schüler dabei.

Da hieß es Augen zumachen, sich etwas Schönes vorstellen und dazu dem Stück „Windspiel“ lauschen. Die einen dachten ans Heiraten, die anderen an Zuckerwatte. Und genau das ist es auch für Marie-Luise Dingler, was Musik so faszinierend macht: „Jeder träumt etwas ganz anderes, obwohl wir nur ein Stück spielen.“ Wie viel Fantasie einer Komposition oftmals zugrunde liegt, bewies ein Stück aus dem letzten Composition Award: „Das Leben und Sterben einer Fliege“. Fröhlich summten die beiden Violinen durch ihr Fliegenleben, bis sie schließlich von Christoph Dinglers musikalischer Klatsche in den Fliegenhimmel befördert wurden.

Die „Twiolins“ konnten sich vor Zugaberufen kaum retten. Da fiel gar nicht auf, dass nebenbei auch ein wenig Unterricht in Geigentechnik dabei war. So erfuhren die Kinder, wie auf der Geige ein Ton entsteht und wie unterschiedliche Tonhöhen zustande kommen. (…)

Von Anja Stepic, Foto von Peter Dorn

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