The Twiolins begeistern in der Stadtbücherei Weinstadt mit einer Geschichte über Freundschaft und die Freude an Musik.

Stuttgarter Zeitung, 13. Mai 2024: Marie-Luise und Christoph Dingler kennen die Bühnen der Welt. In Neuseeland, China, Indien, Bangladesh, Türkei, Tunesien, Spanien, Italien, Frankreich, Litauen, Österreich und der Schweiz haben sie als Violinduo The Twiolins bereits gespielt, sind bei Festivals und Konzertreihen eingeladen, demnächst etwa beim Mozartfest in Würzburg, das mit einer mehr als 100-jährigen Geschichte eines der renommiertesten Festivals für klassische Musik ist. Bei ihrem Auftritt in der Stadtbücherei Weinstadt indes tragen sie keine Abendgarderobe. Verkleidet als Eichhörnchen und Igel kommen sie fröhlich fiedelnd in den Veranstaltungssaal gehüpft, wo sie von ihren jungen Zuhörern schon sehnlichst erwartet werden.

Als Geigerin und Kinderbuchautorin hat Marie-Luise Dingler ein einzigartiges Kinderkonzert geschaffen, in dem sie Musik und Literatur miteinander verbindet. Zu- sammen mit ihrem Bruder Christoph tourt sie damit neben ihrem Konzertprogramm als Violinduo durch ganz Deutschland und be- setzt abseits der üblichen Lesungen und Bil- derbuchkinos eine Nische. Wie kam sie auf die Idee? „Angebote mit klassischer Musik gibt es für Kinder nicht so viele und wenn, dann sind sie gleich viel zu groß“, berichtet sie aus eigener Erfahrung als Veranstaltungsorganisatorin. Denn seit zwei Jahren ist die Profimusikerin ehrenamtlich für den Kulturverein ihrer Heimatgemeinde Grün- stadt (Rheinland-Pfalz) tätig. „Hurra, wir spielen ein Konzert“ nach Dinglers gleichnamigem Kinderbuch funktioniert hingegen vor großen wie vor kleinerem Publikum. Jüngst hätten sie vor fast 300 Schülern gespielt, berichtet Dingler. Auch ihr Konzert in Weinstadt ist mit rund 40 Kindern und deren Eltern und Großeltern gut besucht. Viel mehr Personen würden im Veranstaltungs- saal der Stadtbücherei keinen Platz finden.

Aber wie wird man von der Violinistin zur Kinderbuchautorin? Die Geschichte für das Buch habe sie schon länger im Kopf gehabt, antwortet Dingler. Dabei trage die Handlung durchaus autobiografische Züge, verrät sie. Ebenso wie die besten Freunde Igel und Eichhörnchen, die gerne gemeinsam ein Konzert geben wollen, aber von der Agentur Braunbär harsch abgewiesen werden, hätten auch sie und ihr Bruder zu Beginn ihrer Kar- riere als Profimusiker mit Ablehnung umgehen müssen. Zu unüblich fanden Veranstalter die Ensemblebesetzung der Mannheimer Musikhochschulabsolventen mit zwei Violi- nen. So wie die Dingler-Geschwister lassen sich auch Igel und Eichhörnchen nicht unterkriegen. Kurzentschlossen planen die Freunde ihr eigenes Konzert. Die Botschaft, an sich und seine Fähigkeiten zu glauben, geben The Twiolins mit ihrer Geschichte über Freundschaft und die Freude an Musik auch den jungen Konzertbesuchern mit.

Angesichts der vielen Engagements im In- und Ausland habe ihr lange die Zeit ge- fehlt die Geschichte aufzuschreiben, erzählt Marie-Luise Dingler – dann kam die Corona- Pandemie. Dingler nutzte die auftrittsfreie Zeit, um ihr Kinderbuchprojekt umzusetzen. „Im Winter 2020 kam das Buch heraus, gut ein halbes Jahr später haben wir daraus ein Kinderkonzert entwickelt und erstmals auf- geführt.“ Ihre jungen Zuhörer seien dabei ein „sehr ehrliches Publikum“ und ihre besten Kritiker gewesen. Auf ihre „überraschenden, sehr herzlichen und unmittelbaren Reaktio- nen“ hin hätten sie die Musikauswahl von Aufführung zu Aufführung perfektioniert.

Das Repertoire, das The Twiolins in Weinstadt zu Gehör bringen, ist breit gefächert. Klassische Stücke, etwa von Mozart, sind ebenso darunter wie das schwäbische Volks- lied „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Da- bei beziehen die Geschwister ihr Publikum mit ein, animieren mal zum Mitsingen bei der deutschen Version des französischen Kinderlieds „Bruder Jakob“ oder laden dazu ein, „Arielles Wellenreise“ bei geschlossenen Augen zu lauschen. Während erwachse- ne Zuhörer dem gerne nachkommen, sind die Kinder viel zu neugierig. Gebannt beobachten sie jede noch so kleine Bewegung der Musiker, verfolgen gespannt die Geschichte, die sie erzählt bekommen, hören wissbegierig zu, wenn sie ihre Instrumente erklären, und lachen laut über deren Scherze.

 

Von Luitgard Schaber

 

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